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EQF - European Qualification Framework / ECTS / ECVET


EQF, ECTS und ECVET

Als Ansatz für schulische berufliche Bildung
EQF - European Qualification Framework
ECTS - European Credit Transfer and Accumulation System
ECVET - European credit system of vocational and educational training

Situationsbeschreibung

Die Kommission der Europäischen Gemeinschaft hat per 08. Juli 2005 mit einer Arbeitsunterlage der Kommissionsdienststellen das Konzept eines europäischen Qualifikationsrahmens für lebenslanges Lernen vorgestellt. Das Papier ist Grundlage eines Konsultationsprozesses, der vom Juli bis Dezember 2005 stattfindet. Die Vorlage macht deutlich, dass die Kommission das Konzept des EQF vorantreibt und den Prozess zu einem Abschluss bringen will.

Mit dem Konzept des EQF verbindet die Kommission die Entwicklung eines integrierten Leistungspunktessystems für lebenslanges Lernen, das auf den Erfahrungen der Systeme aus der Hochschulbildung (ECTS) und der Berufsbildung (ECVET) aufbaut. Dieses übergreifende System soll in dem Verständnis die Zusammenführung von ECTS und ECVET ermöglichen.

Mit der Aufforderung zur Einreichung von Vorschlägen „Call for Proposals“ Nr. 45/05 für das EU-Programm Leonardo da Vinci sind die Berufsbildungsträger aufgefordert, Maßnahmen vorzuschlagen, mit denen eine Erprobung des Europäischen Anrechnungssystems für die Berufsbildung erfolgt und Maßnahmen, die als Pilotversuche durchgeführt werden können. Die Aktivitäten sollen vor dem 30. Juni 2007 abgeschlossen sein. In anderen Ländern wird – ohne und mit Einbeziehung der Förderung durch das EU Programm – die konzeptionelle Arbeit an Anrechnungssystemen vorangetrieben und eine Erprobung auf transnationaler Ebene vorgesehen.

Das KWB hat in einem Positionspapier aus Sicht der Wirtschaft Eckdaten für den Europäischen Qualifikationsrahmen und das Leistungspunktesystem ECVET ausgeführt. In dem Papier wird angedeutet, dass die Kammern nach wie vor davon ausgehen, dass trotz ECVET sie die Einrichtungen sind, die entscheidende Regelungskompetenz haben.

Problembeschreibung

Aus den beschriebenen Punkten ist abzulesen, dass die EU die Einführung des Europäischen Qualifikationsrahmens und die Entwicklung des Leistungspunktesystems für die berufliche Bildung (ECVET) und eines übergreifenden Leistungspunktesystems für Hochschule und berufliche Bildung entschieden vorantreibt. Durch den Vorschlag des EQF und die Aufforderung zur Einreichung von Vorschlägen für die Erprobung von ECVET wird deutlich, dass die Konzepte in eine Phase der Konkretisierung übergehen. Auch wenn die beiden Elemente nicht als verbindliche Regelungen für die Mitgliedsstaaten vorgegeben werden, hat ein solches System von Qualifikationsrahmen und Leistungspunkten die Kraft des Faktischen für eine europäische Standardisierung.

Wenn jetzt die Weichen gestellt werden, muss dafür Sorge getragen werden, dass schulische berufliche Qualifikationen in einem solchen zukunftsgerichteten System nicht wieder wie in der nationalen Regelung für die beruflichen Abschlüsse außen vor bleiben. Die Einbeziehung von schulisch erworbenen Kompetenzen muss über die schulische Seite abgesichert werden. Zählbarkeit im Sinne von Anrechenbarkeit schulischer Leistungen und Zuständigkeitsregelungen für die Zertifizierung werden angesichts der voranschreitenden Entwicklung ein wichtiger Punkt sein. Hier besteht Handlungsbedarf.

Die Europäische Kommission betont mehrfach, dass das verbindliche Rechtsinstrument für die Anerkennung beruflicher Qualifikationen im Bereich reglementierter Berufe die Richtlinie über Berufsqualifikationen vom 06. Juni 2005 (nicht veröffentlicht) sei. Es ist nicht klar, welche Beziehung zwischen Berufsqualifikationen und Leistungspunktesystem bestehen, hier besteht die Gefahr, dass schon im Vorfeld die schulischen Leistungen in Deutschland ausgegrenzt werden.

Durch den Aufruf, im Rahmen des Leonardo da Vinci-Programms Vorschläge zu machen, wird es zu unterschiedlichen Herangehensweisen kommen, die Akteure für unterschiedliche Bereiche machen. Die Frage der Bedeutung der Akteure für die weitere Beeinflussung des Prozesses ist unklar. Ein Erprobungsmodell einer Einzelschule mit ausländischen Partnern kann zwar hilfreich sein, der Versuch wird aber nicht dasselbe Standing haben wir das einer großen Institution.

Lösungsvorschlag

Die KMK als für die schulische Qualifizierung zuständige Institution betreibt die versuchsweise, modellhafte Entwicklung eines Leistungspunktesystems, um die Anerkennung der schulischen beruflichen Qualifizierung im europäischen Zusammenhang abzusichern. Die Autorität der KMK wird dazu führen, dass die Ergebnisse der Erprobung einen hohen Stellenwert haben. In der Debatte um den Nationalen Qualifikationsrahmen kann die KMK die gewonnenen Erfahrungen und die erworbenen Kompetenzen in diesem Feld in die Waagschale werfen.

Die Abwertung der schulischen Leistungen wird dann nicht so einfach sein, wie im nationalen Kontext. Durch eine Spiegelung an den Abschlüssen anderer Länder, die über den schulischen Bereich erworben werden, kann die Anerkennung der in schulischen Bildungsgängen erworbenen Qualifikationen bis hin zu einem in einem anderen Land oder im europäischen Zusammenhang definierten Berufsbild gehen. Die Verknüpfung von ECVET und ECTS kann detailliert untersucht werden, wobei durch die Kompetenz für das ECVET-System leichter über Fragen der Anerkennung auf das ECTS-System debattiert werden kann.

Für die KMK kann es nicht darum gehen, über nachgeordnete Einrichtungen im Rahmen des Leonardo-da-Vinci-Projektes etwas zu erproben, was nach der Erprobung bei weitem nicht den Stellenwert einer KMK-Erprobung hat. Es gilt vielmehr das ganze Gewicht der KMK einzubringen und durch eine entsprechende institutionelle Absicherung die Bedeutung des Versuchs zu betonen.

Nebenwirkungen

Die an Lernergebnissen orientierten Leistungspunkte führen zu einer Veränderung von schulischen Prozessen. Die systembedingte Modularisierung ist nicht ohne Probleme.

Darüber hinaus gilt, dass es Anrechnungen auch innerhalb schulischer Bildungsgänge geben muss. Die Frage der Angleichung fester Inhalte über verschiedene Niveaustufen wird ebenfalls zu einer Änderung der schulischen Prozesse führen.